Szenario WAM plus (2015)

Energiewirtschaftliches Szenario im Hinblick auf die Klimaziele 2030 und 2050

Storylines zur Transformation des Energiesystems

 

Die Ergebnisse des Szenarios WAM plus zeigen, dass bis 2030 eine Stabilisierung und anschließend eine signifikante Verringerung des gesamten Energiebedarfs realisierbar ist. Damit verbunden sind deutliche Fortschritte bei der Energieeffizienz, bei der Nutzung erneuerbarer Energieträger, Entwicklung grundlegend neuer Technologien und vor allem ein nachhaltigeres Wirtschaftssystem der Gesellschaft.

Im Oktober 2014 wurde am Umweltbundesamt ein Workshop mit 25 TeilnehmerInnen abgehalten, bei dem externe ExpertInnen in 10 Impulsvorträgen ihre Sichtweisen für ihre Fachgebiete (gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung, Industrie, Personen- und Güterverkehr, fossile und erneuerbare Energieträger, Energieversorgung und Netze, Landwirtschaft) im Jahr 2050 darstellten. Ergänzt von Kurzstatements der Projektpartner, entwickelten sich aus der Diskussion die Rahmenbedingungen für das Szenario WAM plus.

In den folgenden Monaten wurde in Diskussion mit ExpertInnen des BMLFUW und der Projektpartner für jeden Sektor eine kohärente Storyline formuliert, die mit jenen der anderen Sektoren konsistent ist und von allgemeinen Rahmenbedingungen ergänzt wird.

Allgemeine Rahmenbedingungen in den Storylines

  • Entwicklung einer gemeinsamen gesellschaftlichen Vision mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und langfristigen Finanzierungsmodellen,
  • Festlegung von verbindlichen Zielen für 2030, 2040 und 2050 mit entsprechendem Monitoring und regelmäßiger Evaluierung,
  • Förderung von Umweltbewusstsein und Änderungen im Lebensstil und in den Konsummustern („sharing economy“),
  • Sozial inklusive und nachhaltige Wirtschaft („green economy“).

Storyline Verkehr

  • Deutlich höhere Kraftstoffpreise durch Rohöl-Preisanstieg und EU-weite Energiebe­steuerungs-Richtlinie auf fossile Kraftstoffe,
  • Reduktion der Personenverkehrsleistung (Pkm),
  • Verlagerung des Personenverkehrs auf Umweltverbund (ÖV, Rad, Fuß),
  • Reduktion des Pkw-Motorisierungsgrads,
  • Elektromobilität als alternativer Antrieb im motorisierten Individualverkehr,
  • Reduktion der Güterverkehrsleistung (Tkm),
  • Verlagerung des Güterverkehrs auf Schiene und Schiff,
  • Wasserstoff und Biogas als alternative Energieträger im Straßengüterverkehr.

Storyline Gebäude

  • Sehr hohe thermisch-energetische Qualität der Gebäude und der gebäudetechnischen Anlagen,
  • verpflichtender Einsatz erneuerbarer Energieträger (v. a. im ländlichen Bereich) oder von Fernwärme (im städtischen Bereich),
  • neue Gebäude mit sehr niedrigem Energiebedarf (NZEB),
  • kompaktere Siedlungsstrukturen.

Storyline Energieaufbringung

  • Integration in einen funktionierenden europäischen Strommarkt,
  • deutlich stärkere angebots- und nachfrageseitige Flexibilisierung des Regulierungsrahmens,
  • neue Stromspeichertechnologien,
  • verbesserte Netze zur Integration der volatilen Stromerzeugung,
  • Ausbau von erneuerbarer Wärme und erneuerbarem Strom,
  • Rückgang der Nachfrageschwankungen durch bedarfsseitiges Management (DSM).

Storyline Industrie

  • Langlebige, hochqualitative Produkte (weniger Abfälle),
  • hocheffiziente Nutzung der eingesetzten Energien und Ressourcen (verbessertes Recycling),
  • Entwicklung grundlegend neuer Technologien,
  • eine stärkere Verschränkung von Forschung-, Umwelt- und Wirtschaftsförderung sowie die Bewusstseinsbildung in der Öffentlichkeit.

Ergebnisse

Der energetische Endverbrauch sinkt von 1.138 PJ im Jahr 2010 auf 937 PJ im Jahr 2030 und auf 698 PJ im Jahr 2050.

Auch der Bruttoinlandsverbrauch sinkt von 1.467 PJ (2010) auf 1.229 PJ (2030) und auf 907 PJ (2050).

Der Anteil erneuerbarer Energieträger am Bruttoendenergieverbrauch steigt von 32,2 % im Jahr 2010 auf 46,9 % bzw. 66,6 % in den Jahren 2030 bzw. 2050.